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Managed Detection & Response: Wenn Speed über Sicherheit entscheidet

Managed Detection & Response: Wenn Speed über Sicherheit entscheidet

Cyberangriffe treffen nicht nur große Unternehmen oder Konzerne. Auch mittelständische Betriebe stehen im Visier von Hackern. Niemand ist mehr sicher. Zudem steigt die Zahl der Angriffsvarianten rasant: Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurden 2024 täglich rund 309.000 neue Malware-Varianten registriert (Quelle: Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2024). Trotzdem reagieren viele Unternehmen zu spät oder gar nicht. Es wirkt, als würde erst nach dem Leck gesucht, wenn das Wasser schon meterhoch steht. Hier bietet Managed Detection and Response (MDR) bietet eine effiziente und kostengünstige Lösung: Bedrohungen werden sofort erkannt und schnelles Handeln vermeidet Schäden, bevor sie entstehen.

Warum der Mittelstand jetzt auf schnelle Erkennung statt reiner Prävention setzen muss

Laut BSI ist die IT-Sicherheitslage in Deutschland äußerst kritisch. Die Zahl der Schwachstellen nimmt rasant zu und immer mehr Unternehmen – egal wie groß – werden durch Cyberangriffe in ihrer Existenz bedroht. Besonders angespannt ist die Lage für den Mittelstand. Nur die wenigstens Firmen können sich ein eigenes Security Operations Center (SOC) inklusive Incident-Response-Team leisten oder verfügen über die Ressourcen für Bedrohungsanalysen, digitale Forensik und eine 24/7-Überwachung. Gleichzeitig steigt der Druck durch gesetzliche Anforderungen wie die DSGVO oder die NIS-2-Richtlinie. Parallel dazu wächst die Angriffsfläche: Cloud-Dienste, Remote-Arbeitsplätze und vernetzte Geräte (IoT) öffnen neue Einfallstore. Solche Risiken lassen sich nur durch frühzeitige Erkennung, schnelle Reaktion und einem kontinuierlichem Monitoring wirksam eindämmen.

Klassische Schutzkonzepte greifen heute nicht mehr

Traditionelle Sicherheitsmechanismen wie Firewalls, Antivirenprogramme oder Signaturdatenbanken zielen vor allem auf Prävention ab. Doch moderne Angriffe umgehen diese Barrieren einfach, etwa durch agentenlose Malware, Zero-Day-Exploits oder Attacken über die Lieferkette. Fachmedien wie Security Insider dokumentieren Monat für Monat Angriffsvektoren und betroffene Unternehmen. Der Fokus muss sich daher verschieben: weg von der Frage „Was kann ich verhindern?“ hin zu „Was erkenne ich und wie schnell kann ich darauf reagieren?“

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein mittelständischer Lebensmittelhersteller mit 1.200 Mitarbeitenden bemerkte verdächtige Aktivitäten in seinem Produktionsplanungssystem erst, als bereits mehrere Rezepturen und Lieferdaten unbemerkt verändert worden waren. Die Angreifer hatten sich über einen kompromittierten Zugang eines Drittanbieters in das System eingeschleust. Die Time-to-Detect lag bei 17 Tagen, die anschließende Reaktionszeit bei weiteren elf Tagen. In diesem Zeitraum kam es zu Produktionsunterbrechungen und Lieferverzögerungen mit einem geschätzten Gesamtschaden von über 1,3 Millionen Euro.

Der Fall macht deutlich: Ohne kontinuierliche Überwachung und schnelle Reaktion bleibt selbst ein gut geschütztes Unternehmen verwundbar.

Was Managed Detection und Response konkret leistet

Managed Detection and Response (MDR) ist weit mehr als ein klassischer IT-Sicherheitsdienst. Der Ansatz verbindet moderne Technologien mit spezialisiertem Expertenwissen und reicht weit über reine Prävention hinaus.

Die vier zentralen Bausteine sind:

  • Detection: 24/7-Überwachung von Endgeräten, Netzwerken und Cloud-Umgebungen. Auffälliges Verhalten wird mithilfe intelligenter Analysen und aktueller Bedrohungsdaten in Echtzeit identifiziert.

  • Response: Wird ein Sicherheitsvorfall erkannt, greifen automatisierte Gegenmaßnahmen wie die Isolierung betroffener Systeme. Ergänzend stehen SOC-Analysten bereit, um gezielt einzugreifen und die Ursache gründlich zu untersuchen.

  • Threat Intelligence: MDR-Lösungen greifen auf weltweite Datenquellen zurück und tauschen Informationen zu bekannten Angriffsmustern aus. So profitieren auch kleinere und mittlere Unternehmen vom Know-how großer Sicherheitsnetzwerke.

  • Reporting und Empfehlungen: Klar strukturierte Dashboards und Kennzahlen wie „Mean Time to Detect“ oder „Mean Time to Respond“ sorgen für Transparenz – auch gegenüber dem Management.

Für mittelständische Unternehmen ohne eigenes SOC bedeutet MDR, dass Sicherheitsvorfälle frühzeitig erkannt, professionell abgewehrt und lückenlos dokumentiert werden, bei geringem internen Aufwand und gut kalkulierbaren Kosten.

Wann sich MDR lohnt und wann nicht 

Der Service lohnt sich, wenn Unternehmen ihre Systeme nicht rund um die Uhr überwachen können oder wenn ihnen spezialisierte Fachkräfte für Incident Response, digitale Forensik oder Threat Intelligence fehlen. Das gilt insbesondere für hybride IT-Infrastrukturen, die aus Cloud-Diensten, mobilen Arbeitsplätzen und vernetzten Geräten bestehen. MDR bietet außerdem einen schnellen Mehrwert, wenn regulatorische Anforderungen wie NIS-2, DSGVO oder Vorgaben für kritische Infrastrukturen erfüllt werden müssen. Unternehmen erhalten umfassende Detection- und Response-Fähigkeiten, ohne in ein eigenes Security Operations Center und zusätzliches Personal investieren zu müssen. Die hochsichere Lösung ist zu kalkulierbaren Kosten sofort einsatzbereit und lässt sich flexibel skalieren.

Dennoch MDR ist nicht in jedem Fall die optimale Wahl. In manchen Situationen kann ein klassisches oder SIEM-basiertes SOC-Modell besser passen.

Einige Beispiele:

  • Ihr Unternehmen betreibt bereits ein eigenes SOC mit Endpoint-Detection-and-Response-Technologie.

  • Sie benötigen eine stark individualisierte Sicherheitsarchitektur und wollen die volle Kontrolle über Forensik, Playbooks und Incident Response behalten.

  • Ihre IT-Infrastruktur ist vpllständig on-premises aufgebaut und Sie setzen bewusst weder Cloud noch Managed Services ein.

In solchen Szenarien kann ein hybrider Ansatz oder ein maßgeschneidertes Inhouse-Sicherheitskonzept sinnvoller sein. Besonders dann, wenn ausreichend Ressourcen und Expertise vorhanden sind.

Zurück zu unserem Praxisbeispiel

Unser mittelständische  Lebensmittelhersteller mit 1.200 Mitarbeitenden stellte wiederholt ungewöhnliche Aktivitäten in seinem Produktionsplanungssystem fest, darunter  fehlerhafte Rezepturabrufe und unerklärliche Änderungen bei  Lieferterminen. Die Ursache blieb  zunächst unklar.

Nach Einführung eines MDR-Services und dem Einsatz  von Endpoint Detection and Response (EDR) sowie Threat Intelligence konnten schließlich mehrere kompromittierte Benutzerkonten identifiziert werden. Die Angreifer hatten sich über den Zugang eines Dienstleisters unbemerkt über mehrere Tage Zugriff verschafft.

Das MDR-System griff automatisch ein: Betroffene Endpoints wurden isoliert, ein SOC-Analyst leitete manuelle Gegenmaßnahmen ein und die forensische Analyse legte den Einstiegspunkt offen. Der Vorfall konnte so innerhalb weniger Stunden eingedämmt werden. Produktionsausfälle oder Datenverlust traten nicht mehr auf, sodass ein potenzieller Schaden frühzeitig verhindert wurde.

 

Fazit

Moderne IT-Sicherheit bedeutet heute längst nicht mehr nur, Angriffe abzuwehren, sondern sie frühzeitig zu erkennen und entschlossen darauf zu reagieren. 

Genau hier setzt Managed Detection and Response (MDR) an: schnelle Identifikation von Bedrohungen, gezielte Gegenmaßnahmen und kontinuierliches Security Monitoring. Gerade mittelständische Unternehmen ohne eigenes Security Operations Center ist MDR eine wirkungsvolle Möglichkeit, um Sicherheitsrisiken spürbar zu reduzieren.

Trotzdem ersetzt MDR keine ganzheitliche Sicherheitsstrategie. Maßnahmen wie Awareness-Schulungen, Patch-Management, präventive Schutzmechanismen und klar definierte Sicherheitsprozesse bleiben unverzichtbar.

Wenn Sie erfahren möchten, wie MDR technisch funktioniert, welche Architekturmodelle zu Ihrem Unternehmen passen und wie Sie Ihre IT-Landschaft gezielt absichern, laden Sie unser Whitepaper „Managed Detection & Response – Sicherheit in Tagen, nicht in Monaten“ auf unserer MDR-Seite herunter.

Elmar Walter, Manager Sales Cyber Security, Sales Enterprise, dacoso